Reggio-Pädagogik

Die Reggio-Pädagogik ist ein moderner Bildungsansatz, der in der Stadt Reggio Emilia, situiert in der norditalienischen Region Emilia Romagna, nach dem 2. Weltkrieg entstanden und entwickelt worden ist.

Reggio ist kein Modell oder Konzept, sondern eine neue Art des Denkens über Kinder… Reggio ist eine Denkweise, die nicht gelernt, aber gefunden werden kann.

Die Philosophie und Methoden in der Reggio-Pädagogik sind geprägt von einem Bild vom Kind, dass ein „reiches“, kreatives Potenzial in sich trägt, die Welt selbst zu entdecken und zu verstehen, eigene Lernstrategien zu entwickeln und sich über sein Wissen und Können bewusst zu sein.

Von den Anfängen bis heute werden kreative Formen des Weltaneignens und vielfältige Ausdrucksweisen als sehr bedeutsam für den (kindlichen) Entwicklungs- und Bildungsprozess angesehen. Die Metapher der „hundert Sprachen“ besagt, dass Lernen und Bildung differenzierten Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten benötigt, um nachhaltig zu sein.

Das Vorhandensein von Ateliers in den Einrichtungen unterstreicht die Wichtigkeit des kreativ-künstlerischen Arbeitens und die Notwendigkeit von Kreativität für die (ko)konstruktivistischen Zugangsweise der Reggio-Pädagogik.

Mit ihrem humanistischen Menschenbild, ihrer demokratischen Gesellschaftsvorstellung, ihrem partizipativen Bildungsverständnis, ihrer inklusiven Dokumentationskultur  frühkindlicher Entwicklungs- und Lernprozesse ausgehend vom Bild des „reichen“ kompetenten Kindes, das von Geburt an kreative Potenziale besitzt, hat die Reggio-Pädagogik zu einer bedeutsamen (Elementar)Pädagogik gemacht, die mit ihrer Bildungspraxis weltweit begeistert und fasziniert.

 

Man muss die Welt zeitlebens

mit den Augen eines Kindes betrachten.

(Henri Matisse, franz. Maler, 1869-1954)

Die Wanderausstellung “Wenn das Auge über die Mauer springt” (erstmals 1981 im “Moderna Museet” von Stockholm/Schweden), später umbenannt in die „Hundert Sprachen hat das Kind“ (1984, Berlin/Deutschland) hat im deutschsprachigen Raum einen Reggio-Boom ausgelöst und war ein wichtiger Schritt zur weltweiten Anerkennung und internationaler Interesse dieser innovativen, kindorientierten Pädagogik.

Die international anerkannten Bildungseinrichtungen in Reggio Emilia/Italien wurden 1991 von der amerikanischen Newsweek zu den schönsten und anregungsreichsten der Welt gekürt. Die UNESCO bezeichnet 2010 den reggio-pädagogischen Bildungsansatz als beste frühkindliche Pädagogik.

Aus aller Welt besuchen interessierte Menschen aus Pädagogik, Kunst, Kultur, Wissenschaft und Politik die kommunalen Bildungseinrichtungen in Reggio Emilia/Italien, um sich selbst von der Bildungsphilosophie inspirieren und überzeugen zu lassen.

Neue erziehungs- und bildungswissenschaftliche sowie entwicklungspsychologische und sozialtheoretische Erkenntnisse unterstreichen die Aktualität und Modernität der Reggio-Pädagogik. Die Reggio-Pädagogik als zeitgemäßer und entwicklungsadäquater Ansatz basiert auf modernen Bildungsprinzipien und beweist dadurch seine gegenwärtige und zukünftige Wichtigkeit in der Bildungslandschaft.

Pädagogik entsteht aus einer Beziehung voll Liebe und

im Miteinander mit anderen, so wie sie sind

Loris Malaguzzi

Bild vom Kind

Die Reggio-Pädagogik will die Bedürfnisse und Interessen der einzelnen Kinder wahrnehmen und aufgreifen, um durch das Einlassen auf spontane Ideen in der pädagogischen Arbeit dort anzusetzen, wo die Motivation und Begeisterung hoch ist.

Im Mittelpunkt der Reggio-Pädagogik steht das wahrnehmende, forschende und lernende Kind. Das Kind ist kreativer Gestalter, Regisseure und Konstrukteur seiner Entwicklung, Könnens und Wissens. Der Erwachsene lässt sich auf den Rhythmus des kindlichen Forschergeistes ein und wird selbst zum Forscher.

Jedem Kind wird ausreichend Freiheit in der Wahrnehmung der Welt eingeräumt, um eigenständig und selbsttätig zu (s)einer Erkenntnis zu gelangen. Das Kind besitzt die Fähigkeit und ist kompetent, Wissen zu konstruieren und in Co-Konstruktion mit anderen zu vervielfältigen.

Die Reggio-Pädagogik hat ein positives, optimistisches Bild von einem kompetenten Kind, dass nicht erst kompetent gemacht werden muss, sondern alle Fähigkeiten zur Entdeckung der Welt und seiner Entwicklung bereits von Geburt an in sich trägt.

Ein unsicheres Kind kann nicht forschen, ein sicheres ist hingegen reich an Neugier und Vorstellungskraft!
(Aus Reggio)

Die Kinder haben ein Recht auf Bildung.

Nicht nur Bildung im Sinne von Lernen,

sondern Bildung in Bezug auf die (Aus)Bildung einer

unverwechselbaren Identität und einmaligen Persönlichkeit!

Bildungsverständnis

Voraussetzung für die selbsttätige, kreative Erforschung und aktive Gestaltung der Umwelt ist das Bildungsverständnis der Erwachsenen und der Gesellschaft, von denen auch die Rahmenbedingungen für frühe Bildungsprozesse geschaffen werden.

In der Reggio-Pädagogik versteht die Bevölkerung der Kommune Reggio Emilia frühkindliche Bildung als Chance für die Gegenwart und Zukunft jedes Einzelnen und der ganzen Stadt. Kinder werden als jüngste Gesellschaftsmitglieder und vollwertige Bürger angesehen und ernstgenommen!
Die Bildung der Kinder hinterlässt Spuren nicht nur in der Stadt, sondern vor allem in der Persönlichkeit des Kindes selbst. Starke, kreative Persönlichkeiten mit hoher Identifikation zu ihren Bildungsorten werden sich auch dort positiv einbringen und bewähren wollen! Eine wertschätzende Bildungspartnerschaft zwischen den drei Protagonisten Eltern, PädagogInnen und Kinder ist dafür eine Notwendigkeit!

In der Reggio-Pädagogik werden Bildung, Lernen und Entwicklung in der frühen Kindheit als Einheit und nicht als isoliert verstanden, denn nachhaltige Bildung braucht das Zusammenspiel dieser drei Elemente. Ein Fundament aus einem gut funktionierenden Beziehungsnetz zwischen Kindern, PädagogInnen und Familien wird als Grundlage einer wirksamen, sinnvollen Bildungsarbeit gesehen.

Die Reggio-Pädagogik geht davon aus, dass jedes Kind mit seiner (Lebens)Energie, seiner Wissbegierde, angeborenen Neugierde und innewohnenden Kreativität Schöpfer und Gestalter seiner eigenen Entwicklung und Konstrukteur seiner individuellen Wirklichkeit ist. In diesem Entwicklungs- und Bildungsprozess hat die Aussage „Zeit füreinander und miteinander“ einen besonderen Stellenwert.

Der Sozialkonstruktivismus als hochaktuelles Konzept von Bildung und Lernen spielt für das Verständnis von Lernen und Bildung in Reggio Emilia eine wichtige Rolle. Das kreative (geistige) Potenzial, was in jedem Menschen steckt, wird durch ein sozial-konstruktivistisches Umfeld und durch gemeinsames Forschen und Lernen in der Gruppe weiter entfaltet und bereichert.

100 Sprachen

Das Kind hat hundert Sprachen, in denen es sich ausdrücken kann, es verleiht auf kreative Weise seinem Eindruck über die Welt einen Ausdruck, sei es durch Worte oder durch Werke, die es gestaltet!

Loris Malaguzzi

 

Das Kind verleiht seinen Eindrücken von der Welt einen Ausdruck in „hundert Sprachen“. Der kreative Ausdruck jeden Kindes zeigt uns, was es bewegt – er ist Nachricht an uns und die „Stimme“ des Kindes.

In der Reggio-Pädagogik ist es grundlegendes Prinzip, den Kindern vielfältige Möglichkeiten für Phantasietätigkeit, die Verarbeitung von Entwicklungsthemen und – interessen sowie für die Konstruktion von Wissen anzubieten. Die Kinder drücken ihre Auseinandersetzung mit Materialien, Sinneseindrücken, inneren Bildern und Resultaten ihrer Erkenntnisanstrengungen aus – es handelt sich um Dokumente, die die Prozesse der Suche nach Weltverstehen und nach Ausdruck und Mitteilung von Gefühlen, nach individueller Unverwechselbarkeit und sozialer Zugehörigkeit dokumentieren (Malaguzzi, zitiert nach Krieg, 1993).

Jeder Mensch ist “reich” an kreativen, schöpferischen Potenzialen, die sich entfalten wollen. Durch zusätzliche Erfahrungen in der Gruppe, welche einen interaktiven Raum für Kreativität darstellen, werden die 100 Sprachen miteinander vernetzt. Multidimensionales versus eindimensionales Lernen wird möglich.

Die 100 Sprachen, als Metapher für die vielfältigen Aneignungs- und Ausdrucksformen, illustrieren das Recht auf schöpferisches Leben und das Recht auf eigene Erkenntnis.

Die Verwendung von Spiegel und sinnesanregenden Materialien in der Reggio-Pädagogik geben kreative Anregung für die Wahrnehmung und für das Spiel mit der Wirklichkeit. Perspektiven verändern, Ansichten verwandeln … dies ist Anreiz, über die 100 Sprachen die Welt zu erforschen und sich auszudrücken. Kinder wollen ihre inneren Welt- und Selbstbilder zum Ausdruck bringen, was eben auf unterschiedliche Art und Weise geschieht.

Die Reggio-Pädagogik will die 100 Sprachen entfalten, schützen und nachhaltig sichern! Mit dem Vorhandensein eines Ateliers in allen kommunalen Einrichtungen und der Wertigkeit der Atelierarbeit wird künstlerischen Aktivitäten ein hohes Maß an Wertschätzung entgegengebracht. Das Atelier als Ort künstlerischen Schaffens ist Zeichen für die Bedeutsamkeit der bereits im Kindesalter stattfindenden kreativen Prozesse.

Kreativität ist ein Innovationsmotor und Kennzeichen einer zeitgemäßen Pädagogik! In der Reggio-Pädagogik ist man sich dessen bewusst und weiß, dass sie in einer globalisierten Welt ein notwendiger Aspekt für Weiterentwicklung und Fortschritt der Gesellschaft und Kultur ist.

Raum als 3. Pädagoge

Unsere Einrichtungen sind vor allem Werkstätten, in denen Kinder die Welt untersuchen und erforschen

Loris Malaguzzi

 

Raum und Material haben neben den personellen Voraussetzungen Einfluss auf qualitative Bildungsarbeit und haben Auswirkung auf die Lern- und Bildungsprozesse.

In der Reggio-Pädagogik unterstützt eine entsprechende Raumgestaltung und die bereitgestellten Materialressourcen …

…die Kommunikation zwischen einzelnen Kindern und Kindergruppen und Erwachsenen

…das entdeckende Lernen und Lernen in Projekten

…Transparenz und Offenheit zwischen Raum, Material und Mensch

…bewegtes und konstruktives Denken und Handeln

…die Entfaltung und Erhaltung der 100 Sprachen der Kinder

Durch eine sinn-anregende Lernumgebung und Raumgestaltung, durch Materialien, die zum Experimentieren auffordern und die Atelierarbeit wird die Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit gestärkt. Jegliche menschliche Sinne sollen stimuliert werden, damit Lernen nachhaltig ist. Klarheit, Ordnung und Ästhetik sind Orientierungspunkte für Raumgestaltung und –ausstattung.

Vor allem sind Räume wandelbar und flexibel, wachsen mit den Ideen der dort lebenden und lernenden Menschen mit und sind immer unverwechselbar und unvergleichbar mit anderen.

Wissens- und Bedeutungskonstruktionen, Lernwege und –gemeinschaften werden sichtbar und der Raum spiegelt zurück, was sich abgespielt hat und abspielt. Identität und Lebensart von Menschen werden erkennbar, wenn Raumstrukturen nicht starr sind, sondern sich Raum und Material an diesen orientieren und sich daran ausrichten.

Die Reggio-Pädagogik spricht nicht von vorbereiteter Umgebung als fertiges Lernarrangement, sondern meint im Sinne ihres Bildungsverständnisses, dass Ressourcen bereitgestellt werden, die den aktuellen Themen und Interessen entgegenkommen und auffordern, sich diesen mit noch mehr Intensität hinzuwenden, um einen längeren, nachhaltigeren Prozess auszulösen.

Regelmäßige Reflexion und kritische Analysen ermöglichen immer wieder aufs Neue, Raum und Material zu aktualisieren und kindorientiert zu arrangieren. Raumarrangements und Materialkompositionen unterstützen kreative, offene Denk- und Handlungsweisen.

Kinder sind - ebenso wie Dichter,
Musiker und Naturwissenschaftler -
eifrige Forscher und Gestalter.
Unsere Aufgabe besteht darin,
die Kinder bei ihrer Auseinandersetzung
mit der Welt zu unterstützen,
wobei all ihre Fähigkeiten, Ausdrucksweisen und
Kräfte eingesetzt werden.

Loris Malaguzzi

Kind, deine Gedanken sind kostbar. In ihnen entstehst du und sie entstehen durch dich.

Du kombinierst und verbindest, wie kein anderer vor dir.

Du denkst dich ins Leben und das Leben findet in dir eine Ausdrucksform.

(Loris Malaguzzi)

Beobachtung und Dokumentation

Die Reggio-Pädagogik wird auch als eine „Pädagogik des Zuhörens“ bezeichnet, in der eine Kultur des teilnehmenden Beobachtens und der Dokumentation sichtbar wird. Es geht um eine dialogische Beziehungskultur, bei der wir auf das Kind hinsehen und ihm hinhören, welche Nachrichten und Mitteilungen es an uns und die Welt hat.

Die Dokumentation als ein wichtiges Prinzip in der Reggio-Pädagogik. Sie kann viele Formen annehmen bpsw. als Portfolio oder “sprechende Wände”, aber in erster Linie macht sie Forschungen, Erkundungen, Lernwege und die kindliche Weltwahrnehmung sichtbar und will diese wertschätzen.

Umfangreiche Dokumentationen sind ein Versuch, das Tun, Denken und die Konstruktion von Wissen zu sehen und zu verstehen. Die verstehende Haltung unterstützt uns, unser Zusehen und Zuhören zu schulen und beides mit Achtsamkeit auszuführen. Sorgfältiges Beobachten und aufmerksames Zuhören sind die größte Kunst in der Pädagogik! Sie generieren Fragen und vorläufige „Antworten“. Wie lernt ein Kind? Wie untersuchen, organisieren und verstehen Kinder ihre Welt?

Die Dokumentation dient der Beziehungsarbeit und der Erinnerung an Lernprozesse und lädt ein, die verschiedenen Theorien und Ideen miteinander zu vernetzen. Interpretation und Reflexion sind grundlegende Aspekte der Dokumentation – sie helfen uns dabei, zu entscheiden, welche Unterstützung Kinder als nächstes brauchen.

Dokumentation ist …

… ein Werkzeug für die pädagogische Forschung

… eine Denkweise

… eine geistige Haltung

… eine Kultur

… eine sichtbare Spur

… eine Form der Kommunikation

… ein wesentlicher Bestandteil zur Förderung des Lernens und zur Veränderung der Lehr-Lern-Beziehung

(Carlina Rinaldi, S. 78, Lernen sichtbar machen: Kinder als Einzel-und Gruppenlerner )

… ein Teil der Suche Bedeutungen zu finden und zu konstruieren

… eine Aussage über Lernwege und Prozesse und Unterstützung der Entwicklung von Theorien und Wissen, weil sie sichtbar sind

(Carla Rinaldi, S. 83, Lernen sichtbar machen: Kinder als Einzel- und Gruppenlerner)

Ausgangsbasis für die Dokumentation ist das Bild des Kindes: ein Kind voller Fragen, in der Rolle des Regisseurs und Konstrukteurs seiner eigenen Lernprozesse, Erfahrungen und seines Wissens.

Der stete Prozess der Dokumentation involviert Kinder, Eltern und PädagogenInnen: Durch sie werden Kinderkrippen und Kindergärten als Forschungsorte wahrnehmbar, Kinder und ihr Facettenreichtum an Gedanken und Kreationen wertgeschätzt und Räume identitätsstiftend. Ob individuelle Portfolios oder „sprechende Wände“ – Kinder werden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt: „Ich bin es wert“, „Ich bin ein besonderer Mensch“ und werde wahrgenommen als der, der ich bin, wie ich bin und was ich kann.

Alles was Kinder umgibt, soll identitätsstiftend sein und Erinnerungen wecken. Bildung braucht diese Erinnerungen zum Nachdenken und Weiterdenken.

Kultur

Die Kultur der Kinder ist keine Kopie der Erwachsenenkultur, sonder entwickelt sich mit den eigenen Motiven, Interessen, Fragen an die Welt.

Sabine Lingenauber

 

Die Reggio-Pädagogik ist in erster Linie durch ihre historische und kulturelle Erfahrung gewachsen. Ziel war und ist es noch immer, sich für Beziehung, Rechte und Partizipation einzusetzen, wobei ein wichtiges Merkmal ein demokratisches Verständnis der Kooperation und die Bedeutung des sozialen Miteinanders im Bildungsprozess ist.

In der Reggio-Pädagogik sprechen wir von einer neuen Kultur des Lernens, die Kinder als individuelle Kulturträger versteht. Jeder Mensch ist Schöpfer, Gestalter und Erfinder seiner eigenen Kultur, die durch seinen Ausdruck, also durch seine 100 Sprachen, sichtbar wird.

Lernen in Projekten

In Reggio will man nicht ein passives Kind etwas lehren, sondern ein aktives, kompetentes Kind in seinen Lernprozessen unterstützen und begleiten.

Aus Reggio

 

Projektarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit in Reggio Emilia.

In erster Linie bildet sich das Kind durch die Arbeit in Projekten, deren Themen eine Bezug zur Lebensumwelt und Erfahrungswelt des Kindes haben, damit von seitens des Kindes ein hohes Maß an Identifikation möglich ist und die Motivation am Lernen nicht verloren geht.

Das entdeckende, experimentelle Lernen und Lernen durch alltägliche Erfahrungen steht dabei im Vordergrund. Dieses Lernen mit Hilfe von Erkundungen, Fragen und Experimentieren erfordert eine PädagogIn als aktive AssistentIn, WegbegleiterIn, ForscherIn, BeobachterIn,… also jemanden, der bereit ist, das Denken, die Ideen und Handlungen des Kindes bzw. der Kindergruppe ernst zu nehmen, anzuerkennen und für eine förderliche Bildungsarbeit aufzunehmen. Seine Entdeckungen, Empfindungen, Sinnkonstruktionen soll jedes Kind über die 100 Sprachen verarbeiten dürfen! In der Umsetzung eines Projekts wird eine solche Verarbeitung und Vernetzung der 100 Sprachen möglich.

Durch den „Flirt“ mit der Welt kommt es zu einem „sich verlieben“, dabei ist die emotionale Komponente des Lernens angesprochen, die für nachhaltige Lernprozesse besonders wesentlich ist. Erkenntnisse aus Betätigungen und Aktivitäten, die mit positiven Gefühlen verbunden sind, werden besonders gut im Langzeitgedächtnis gespeichert.
In einer anregungsreichen, interessanten und angstfreien Umgebung können Kinder neugierig Neues auf vielfältige Weisen entdecken und lernen, sich in Kinderparlamenten und Projektgruppen offen und mutig austauschen.
Besonders fruchtbar wird ein Lernprozess, wenn es zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung mit einer Frage kommt. Über den Prozess der Kommunikatio, Interaktion und Co-Aktion entsteht Co-Konstruktion.

Projektarbeit ist gelebte Partizipation – Entdecken, Forschen, Lernen geschieht im Dialog. Der Geist der Kooperation macht jedes Kind reicher in der Gestaltung seiner Lebenswirklichkeit und Intensität seiner Lernerfahrungen. Der soziale Kontext ist notwendig für die Entfaltung von Selbstbildung!

Fragende, forschende und aktive Kinder wollen ihre Welt hinterfragen, be-greifen und selbst Antworten finden. Das Kind hat ein Recht auf eigene Lösungen und Lernwege. Im Lernprozess, im Zuge der Projektarbeit, steht nicht die Fertigung eines perfekten Produkts im Vordergrund, sondern die eigenständigen Kreationen der Kinder, die ihre Hypothesen, Ideen und ihr Denken – eben ihre Lernwege –  wiederspiegeln.

Vorgefertigtes, Vorgegebenes und perfekte Resultate bspw. Schablonen lösen keine Empfindungen aus! Wenn der Dialog und die kommunikative, liebevolle Auseinandersetzung mit einer Sache ausbleiben, können wir im Sinne der Reggio-Pädagogik nicht von einem Projektlernen sprechen.

Das Kind soll durch experimentelle Versuche und durch Fehler  lernen dürfen!
Ein Kind sagt:LASS ES MICH TUN, DANN VERSTEHE ICH!
So kann sich das Kind die Welt aneignen, ein eigenes Weltbild erschaffen und ein positives Selbstbild entwickeln!
Kinder reifen durch Wertschätzung ihrer Ideen und Werke zu gesunden, selbstbewussten Erwachsenen und werden fähig, mutig Neuem zu begegnen und sich mit neuen Anforderungen auseinanderzusetzen.

Die Reggio-Pädagogik begreift Kinder als Forscher, Entdecker und Konstrukteure von Wissen, Können und eigenen Lernstrategien.
Die Erhaltung der natürlichen Begeisterung und Neugierde, der kindlichen Kreativität und dem Forschergeist, die Orientierung an Interessen der Kinder und die Wichtigkeit des entdeckenden, projektorientierten Lernens sind wesentliche Grundpfeiler der Reggio-Pädagogik.

Jedes Kind besitzt Forschergeist, Entdeckungsfreude und Abenteuerlust! Es will lernen und mehr über die Welt und sich selbst erfahren. Dazu benötigt es eine interessante, spannende, anregungsreiche Umgebung mit differenzierten Wahrnehmungs- und Erfahrungsmöglichkeiten.
Unzählige offene Möglichkeiten soll das Kind selbst ausschöpfen dürfen und können, ohne dass der Erwachsene ihm vorgefertigtes Wissen überstülpt.

Unsere Aufgabe ist es, dass Kind ein Stück seines Weges zu begleiten, es als Vorbild zu führen und ihm liebevoll zu assistieren. Denn jeder Entwicklungsweg ist etwas Besonderes!

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